Eh kloa! Van der Bellen.

Oi biad gfrog, amoi gsog. Und aftn kennt’s mi bucklkraxn.

Norbert Hofer ist Mitglied einer deutschnationalen Burschenschaft, die Österreich als missratenes Konstrukt ansieht, das den Österreichern aufgezwungen wurde.
Norbert Hofer ist Mitglied einer deutschnationalen Burschenschaft, die Österreich als missratenes Konstrukt ansieht, das den Österreichern aufgezwungen wurde. So jemand kann net mei Präsident sei‘ …

weil ich möcht, dass österreich so g’mütlich bleibt, wie es ist.

ein land, in dem wir mit „jo“, „eh“ und „eigentlich“ soviele abstufungen für wahlweise „ja“/“nein“/“vielleicht“ haben wie die eskimos unterschiedliche worte für „schnee“ haben.

ein land, in dem man sachverhalte bis in den geistigen nihilismus diskutieren kann, um dann am ende eh (siehe oben!) ganz was anderes zu machen.

ein land, in dem man sich schon streiten kann über dinge, die einem eigentlich (siehe oben) eh (ebenda) wurscht sind, während man sich über dinge, die außerhalb unserer seitentäler und wälder gar nicht gehen, vollkommen einig ist.

ein land, in dem unsere sprachkultur und deren art, inhaltlich mit dingen umzugehen eine ambiguitätstoleranz aufweisen, die mahatma ghandi vergleichsweise als blutrünstigen warlord erscheinen lassen.

ein land, in dem man danach trotzdem begeistert z’samm‘ a achterl trinken gehen kann. weil’s a) eh passt und b) eigentlich vui wurscht is‘. weil bei uns die erkenntnis nicht dem verwertungsgesellschaftlichen diktat der handlung unterliegt.

weil dieses „paasst (eh)“ von einem befriedigenden abschluss einer handlung bis hin zur sofortigen großflächigen evakuierung eigentlich eh alles bedeuten kann (oder eben auch nichts).

ein land, in dem „red‘ deitsch‘ im grunde das verklausulierte angebot darstellt, sich auf sprachlich neutralem terrain zu treffen. weil wir fast alle (ehemalige) landeier sind, die in den tälern, bergen und wäldern unsere ersten worte fast alle in unseren alten dialekten gesprochen haben. um dann später deutsch als erste lebende fremdsprache zu lernen.

ein land, das so voll von absurditäten ist, die sich aber trotzdem alle ausgehen, weil wir uns schon so dran gewöhnt haben, dass selbst dem alten franz kafka nur die hälfte aufgefallen ist.

ein land, dessen kulturelle details, traditionen und identitäten in den seitentälern, bergen und wäldern man nicht wirklich erklären kann. weil wir uns ja selber meist nicht verstehen. aber das dann eh passt (siehe oben).

ein land, das trotz alledem soviel positives, neues, innovatives schafft, und das dann mit einer freude vor sich her trägt, dass ein christbaum wie ein grablichterl dagegen wirkt.

ein land, auf das alles da oben zutrifft und in dem wir trotzdem so a freud damit haben, dass unser alltäglicher kleiner wahnsinn außerhalb unseres landes zwar nie wirklich bis ins detail verstanden wird, man das im ausland aber trotzdem sympathisch und gastfreundlich empfindet.
ein land, in dem wir mit inbrunst überzeugt sind, dass das nicht trotzdem, sondern geradezu deswegen so ist.

ein land wie ein käfig voller narren. und vielleicht nur ein österreicher versteht, dass „du depp, du“ das vielleicht liebste ist, was man sich gegenseitig sagen kann.

wenn’s ehrlich g’meint ist.
weil’s eh passt.
eigentlich.

und weil es viel zu schad drum wär, sich das alles da oben von hass, gesprächsverweigerung, arroganz, geschniegeltem pfauengehabe, brutaler direktheit, lügerei, wortverdreherei, bonzengehabe und deutschtümelei kaputt machen zu lassen. unser erfolgskonzept wurde vor ort unter multiethnischer beteiligung über jahrtausende entwickelt. das lass ma uns ned von radaubrüdern, chemtrail-wahabiten, aluhutträgern und kornblumenfreaks weggermanisieren.

weil das nix mit uns zu tun hat.

weil wir keinen untertan und keinen diener der herren putin und trump brauchen, sondern jemanden, der zu uns steht, so wia ma san.

an va uns.

sonst kommt da rotzulla!

und so is kumman:

wladimir wladimirowitsch, gerüchtefürst

»im gegenzug wissen die, die ihm helfen, nichts über ihn: sie wissen nur, was er tut.

vielleicht ist er in einer art genauso wie vevoda: ein mann, dessen körperliche präsenz nicht greifbar ist, doch dessen einfluss in der welt – auf grenzen und rohstoffe genauso wie auf leiden und hoffnung – sehr wohl greifbar ist. ein mann, der seinen einfluss von einem anwesen aus ausübt, das im fürstentum der gerüchte gelegen ist, einem ort, an dem sich das licht in unnatürlichen winkeln bricht und ein gewöhnlicher mann eine spezielle brille bräuchte, um zu sehen, was tatsächlich da ist.«

s. – das schiff des theseus, j.j. abrams & doug dorst

codex seraphinianus ({8-{>

codex der attribute

schön. seltsam. absurd. eigenartig. skuril. wunderlich.

an attributen mangelt es wahrlich nicht, wenn es um das „seltsamste buch der welt“ – den »codex seraphinianus« des italienischen architekten und industriedesigners luigi serafini – geht.

schön, seltsam, skuril.
schön, seltsam, skuril.

egal wie man es nun beschreiben möchte, der ungebrochenen faszination, die von serafinis buch ausgeht, tut das keinen abbruch.

enzyklopädie einer imaginären welt

der codex seraphinianus ist die skurile enzyklopädie einer imaginären welt, beschreibt als gesamtkunstwerk im stile alter naturwissenschaftlicher schriften fauna, flora, die seltsamen menschen, deren ebenso merkwürdigen riten und eigenartigen technik einer fantastischen welt.

und oftmals ein hauch von hieronymus bosch.
und oftmals ein hauch von hieronymus bosch.

aufwändige karten und illustrationen, augenscheinlich inspiriert von hieronymus bosch bis salvadore dali, eingebettet in eine frei erfundene und nicht dechiffrierbare schrift, frei assoziiert irgendwo zwischen siamesischen, armenischen oder thailändischen (oder vielleicht doch georgisch-arabischen?) zügen, lassen den betrachter ungeleitet eintauchen in den rausch eines absurden abenteuers aus skurilität, farbe, unverständlicher weil unleserlicher wissenschaftlichkeit und grenzenloser imagination.

unweigerliche assoziationen zu h.p.lovecrafts necronomicon, dem voynich-manuskript oder skurilen enzyklopädisten wie raoul tranchirer sind so naheliegend wie gewollt.

versinken in der realität der möglichkeit

flora. eigentlich möglich.
flora. eigentlich möglich.

wie und wo man serafinis kunstbuch nun auch einordnen möchte – sobald man sich auf seine eigenwillige eigenartigkeit einlässt, versinkt man in die wirklichkeit einer möglichkeit, einer faszinierenden welt, die sich selbst sinn gibt und durch die enzyklopädische aufbereitung auf unerklärliche weise selbst erklärt und wirkungsmacht verleiht. die möglichkeit an sich wird zum wissenschaftlichen faktum, alles zusammen zur kunst über eine mögliche (weil nach den regeln unserer welt wissenschaftlich erklärte) welt.

aufbau

[quelle: wikipedia.org]

codex seraphinianus

das buch behandelt, wenn man aus den bildern folgert, in 11 kapiteln vermutlich folgende themen:

  1. die flora der unbekannten welt, darunter migrierende bäume oder solche, die in form von stühlen wachsen, gebrauchsgegenstände ausbilden u.s.w.
  2. die fauna: lebewesen, die denen auf unserer erde ähneln, aus haushaltsgeräten bestehen oder merkwürdige mimikry betreiben.
  3. andere zweibeinige lebensformen und deren lebensraum, davon einige mit vermutlich politischer bedeutung und solche, die zu raubkatzen mutieren.
  4. merkwürdige teilchen und partikeln, vermutlich die physik der phantastischen welt.
  5. bizarre maschinen und fahrzeuge
  6. humanoide lebewesen, deren subspezies, ethnien, und deren verhalten, sogar mit rädern statt füßen und untote
  7. wahrscheinlich eine auflistung von historischen persönlichkeiten und deren lebensdaten, skelette, ehemalige potentaten sowie eine darstellung von kriegen und politischen bräuchen.
  8. der code.
    der code.

    hier wird die schrift, die im ganzen codex anwendung findet, behandelt, vermutlich auch die sprache, aussprache und grammatik.

  9. speisen und deren zubereitung, die kultische verehrung von kühlschränken, absonderliche kleidungsstücke und vermutlich der kontext, in welchem diese getragen werden.
  10. spielkarten, spiele, sportarten und religiös anmutende handlungen.
  11. die architektur der fremden welt; es werden gewagte gebäude gezeigt, die sogar zwischen zwei abgründen hängen.

für bibliophile und liebhaber des skurilen

fauna: der augenfisch.
fauna: der augenfisch.

wer das absurde mag, bücher auch einfach für ihre schönheit liebt und für wen das skurile einfach eine simple verifizierung unserer zumindest mehrheitlich angenommenen realität ist, dem wird luigi serafinis codex seraphinianus viele schöne stunden der wunderlichkeit und (tag)träumerei schenken.

 

weiterführende links

luigi serafini auf wikipedia
der codex auf wikipedia
h.p.lovecrafts necronomicon auf wikipedia
voynich-manuskript auf wikipedia
raoul tranchirer (richard georg wolf) auf wikipedia
hieronymus bosch auf wikipedia

 

alle rechte der abbildungen liegen bei luigi serafini.