vintage teelichthalter aus holz selber machen, oder: the bonnie situation

vintage teelichthalter

von herzen: es werde teelicht!

teelichthalter sind stimmungsvolle dekoartikel, die ein besonderes ambiente auf den tisch oder in den raum bringen. und sie sind vor allem sehr einfach selbst zu basteln. mehr als eine nette idee, etwas holz, zeit und ein wenig werkzeug braucht man im grunde nicht.

ein strohwitwer auf abwegen

als meine frau für ein paar tage mit ihren freundinnen alleine verreiste, bot sich die einmalige (und durchaus betont angeordnete) gelegenheit, eine ganze reihe anstehender arbeiten in angriff zu nehmen – mehr dazu in ☆let’s trump around – gartenmauer aus schalungssteinen bauen☆.

die strohwitwerliche arbeitseinteilung geriet aber schon nach wenigen stunden ins wanken, als mich sowohl die kunde als auch anweisung ereilten, dass eine freundin einen teelichthalter gesehen hatte, den sie unbedingt haben wollte. da man ohnehin nicht den ganzen tag mauernd herumtrumpen möchte und neben job, haushalt, kind & katze noch zeit übrig war, machte ich mich also an die arbeit.

material & werkzeug
  • ein stück vollholz in entsprechender größe. es sollte auch etwas dicker sein, um dem ganzen eine plastischere form geben zu können. wichtig ist, dass es massivholz ist. von leimholz sollte man grußlos abschied nehmen. bei der auswahl sollte man auf eine schöne maserung achten, aststücke geben einen zusätzlichen rustikalen touch.
  • beize zum färben
  • hartöl als holzschutz und finisher
  • stichsäge, bohrmaschine, winkelschleifer mit fächerscheiben, messingbürste (gibt es auch als bohrmaschinenaufsatz, das erleichtert die arbeit sehr), schleifpapier in verschiedener körnung), bunsenbrenner, forstnerbohrer mit 40mm durchmesser oder eine oberfräse, pinsel, baumwolltuch.

natürlich kommt man auch mit wesentlich spartanischerer werkzeugausrüstung zurecht, allerdings erhöht das dann auch den gefürchteten „tschoch-faktor“, mit dem wir in den tiefen der steirischen wälder den zu erwartenden arbeitsaufwand pro werkstück messen.

der teelichthalter
schneiden & schleifen
der teelichthalter, ausgeschnitten und mit dem winkelschleifer in form gebracht
nach dem ausschneiden der form mit der stichsäge wird mit schleif- und messingbürste die struktur des holzes herausgearbeitet. das gibt dem holz ein rustikales aussehen, als wäre es natürlich gealtert.

zuerst wird die herzform angezeichnet und mit der stichsäge ausgeschnitten. danach bringen wir das herz mit winkelschleifer und fächerscheibe in form. die kanten abgerundet, an der oberfläche eine leichte wellenform eingeschliffen und etwas dreidimensionalität reingebracht.

zuletzt bohren wir mit einem forstnerbohrer noch die vertiefungen für die teelichter. 40mm reichen für herkömmliche teelichter. alternativ zum forstnerbohrer kann man sich auch mit der oberfräse helfen.

strukturieren: schleifen, bürsten, brennen
der teelichthalter nach dem dritten hartölauftrag
durch das hartöl erhält die zuvor mit messingbürste, schleifen und bunsenbrenner sowie beize herausgearbeitete struktur zusätzlich angefeuert.

nun ist  es zeit, dem teelichthalter struktur zu geben. dabei ist es wichtig, mit dem holz und nicht dagegen zu arbeiten. die natürliche maserung und beschaffenheit gibt den weg vor. mit schleifbürsten unterschiedlicher körnung werden früh- und spätholz herausgearbeitet. das helle frühholz ist weicher als das in mageren jahreszeiten gewachsene spätholz. beim schleifen trägt es sich stärker ab und bildet so eine rustikale oberflächenstruktur. verstärkt wird der vintage effekt durch das bürsten mit der messingbürste.

zuletzt verwenden wir den bunsenbrenner, um manche stellen an der oberfläche etwas anzukohlen. das ergibt den effekt von altem, in sonne und regen verwittertem holz. nach dem anbrennen unbedingt etwas nachschleifen!

ein detaillierteres beispiel, wie man dem holz eine prägnante struktur verleiht, findest du hier: „der baum der weisen: rustikales baumregal selber bauen

beizen
der teelichthalter nach dem ersten hartölauftrag
anschließend wird in der gewünschten farbe gebeizt. nachdem alles gut durchgetrocknet ist, wird das gute stück mit hartöl versiegelt. dabei müssen die trocknungszeiten unbedingt eingehalten werden.

um unserem teelichthalter ein antikes aussehen zu verpassen, habe ich mich für die antik-beize von „clou“ entschieden. damit es aber nicht zu dunkel wird, habe ich mit etwas wasser verdünnt.

grob gesprochen unterscheidet man zwischen echter beize (echtbeize) und farbbeize. der unterschied liegt im farbbild von früh- und spätholz (aka „jahresringe“). während in der farbbeize farbpigmente enthalten sind, die in das holz eindringen und es schlicht färben, stößt echtbeize einen chemischen prozess an, der aber ein naturgetreues positivbild der holzstruktur ergibt.

das heißt, die dunklen ringe des spätholzes bleiben dunkel, die hellen bereiche des frühholzes bleiben hell. im gegensatz dazu erzeugt die farbbeize ein negativbild. das weiche frühholz kann mehr farbpigmente aufnehmen, diese bereiche werden dunkler, während das harte spätholz weniger aufnimmt und plötzlich heller erscheint.

dafür ist die farbpalette von farbbeize viel umfangreicher als bei der echtbeize. also eine frage des gewünschten resultates. habe ich hochwertiges, teures edelholz wie (wal)nuss, kirsche, eiche oder dergleichen, würde ich mich natürlich für echtbeize entscheiden, da damit das außergewöhnliche strukturbild dieser hölzer erhalten bleibt.

das finish: hartöl
der teelichthalter nach dem dritten hartölauftrag
durch das hartöl erhält die zuvor mit messingbürste, schleifen und bunsenbrenner sowie beize herausgearbeitete struktur zusätzlich angefeuert.

da beize aber nur die farbgebung bestimmt, braucht es im gegensatz zu z.b. lacken noch ein end-finishing (öl, wachs, klarlack).

bei der verwendung von hartöl ist es wichtig, nach ca. 20 minuten den überstand, also nicht aufgesogenes öl mit einem nicht fusselnden tuch wegzutupfen. tut man das nicht, bleibt eine klebrige, nicht mehr trocknende glänzende oberfläche zurück.

um genau das zu vermeiden, muss vor dem nachfolgenden ölauftrag die trocknungszeit unbedingt eingehalten werden. besser länger als kürzer lautet hier die devise.

der teelichthalter nach dem ersten hartölauftrag
nach jedem auftrag muss nach 20-30 minuten das überstehende öl sorgfältig mit einem nicht fusselnden tuch entfernt werden. sonst bildet sich an den stellen ein glänzender, nie trocknender klebriger film.

dieser kreislauf wird so oft wiederholt, bis das holz kein öl mehr aufnehmen kann. da wir in unserem fall statt einer glatten eine sehr ausgeprägt strukturierte oberfläche haben, müssen wir mit 4-5 aufträgen rechnen.

zum abschluss noch extra gut durchtrocknen lassen, schöne kerzen rein und der teelichthalter ist fertig!

the bonnie situation – strohwitwer in nöten

wer quentin tarantinos pulp fiction gesehen hat, besitzt ein natürliches verständnis über die bonnie situation: man beginnt eine große sache, ist mit einer themenfremden externen intervention konfrontiert, lässt sich ablenken und fährt die sache folgerichtig gegen die wand. kurz: die eingangs erwähnten anstehenden und verordneten arbeiten sind erfolgreich liegengeblieben. aber diese schlechte nachricht kann der strohwitwer nun beim romantischen ambiente des teelichthalters in herzform überbringen.

mr. winston wolf, ich habe ein problem.

bilder

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